Begonnen hat unsere Arbeit als ein loser, selbstorganisierter Zusammenschluss von Menschen, die sich 2015 aufgrund der humanitären Not Flüchtender in Europa dazu entschieden haben, nach Idomeni (Griechenland) zu fahren und unmittelbar humanitäre Arbeit zu leisten. Unsere Gruppe wurde schnell größer und es folgten Aktionen in Nordfrankreich und Serbien. Humanitäre Unterstützung wurde zum Beispiel durch Mitarbeit in einer Suppenküche, dem Bauen beheizbarer Notunterkünfte, dem Aufbau eines kulturellen Zentrums, durch Trinkwasserversorgung und mobile Duschen und der Organisation von Spendentransporten in ganz Europa geleistet.

Den Verein Rigardu, der als gemeinnützig anerkannt ist, gründeten wir im Sommer 2016. Das Wort rigardu ist Esperanto und bedeutet so viel wie „hinsehen“ oder „beachten“. Da sich die die Situation Flüchtender in Europa aufgrund der europäischen Asylpolitik nicht verbessert, sehen wir weiterhin Handlungsbedarf.

Rigardu führte bis 2018 humanitäre Projekte entlang der Fluchtrouten durch, parallel dazu teilten wir in Vorträgen und Workshops unsere Erfahrungen. 2016 starteten Rigardu-Freiwillige das „Border Violence Monitoring“-Projekt, in dem Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen dokumentiert wurden. Mittlerweile ist daraus das Border Violence Monitoring Network entstanden. Seit 2018 haben wir unsere Bildungsangebote stark ausgeweitet und zahlreiche FSJ-Seminare und Projekttage an Schulen durchgeführt.

Humanitäre Projekte

Subotica/Šid

Von Ende Februar bis Mitte April 2017 und von Herbst 2017 bis Juli 2018 sorgte Rigardu in Subotica, im Norden Serbiens, dafür, dass es täglich Trinkwasser und etwa alle zwei Tage zusätzlich die Möglichkeit zu Duschen gab. Zuvor hatten sich die Menschen aus einem nachgewiesen schadstoffbelasteten Brunnen mit Wasser versorgt, einige hatten wochen- oder monatelang nicht duschen können. Für dieses Projekt haben wir eine Crowdfunding-Kampagne für ein Vereinsfahrzeug gestartet, das den 1000 Liter-Wassertank transportieren kann, da uns das zuvor geliehene Fahrzeug nur bis Mitte April zur Verfügung stand. Am 12. April wurden die Flüchtenden von der Polizei aus Subotica vertrieben, einige wurden verhaftet. Wir haben uns daraufhin entschieden nach Šid an die kroatische Grenze umzuziehen und dort mit unserem Duschangebot fortzufahren. Da sich im Herbst 2017 wieder vermehrt Flüchtende in Subotica aufhielten, zogen wir mit unserem Projekt im November wieder an die ungarische Grenze, wo wir bis Mitte Juli 2018 vor Ort waren.

In unserer Zeit in Subotica ist dieses Video über unsere Duschen entstanden:

Belgrad

Von Juli bis September 2016, im November 2016 und im Februar/März 2017 waren wir in Belgrad aktiv. Neben der Arbeit mit Flüchtenden in den dortigen Parks und Lagerhallen, ist in dieser Zeit auch das kulturelle Zentrum entstanden, wo die Menschen sich bei einem Tee aufhalten, Karten spielen, Sprachkurse besuchen und an Workshops teilnehmen konnten. Wir übernahmen die Miete, bauten Tische und Einrichtung und kümmerten uns zum Teil ums „Tagesgeschäft“ des Zentrums, das leider Ende März 2017 schließen musste. Bisher sind wir mit kleinen und großen Gruppen nach Belgrad gefahren, um nebenbei auch bestehende Strukturen zu unterstützen. Seit die sogenannte Balkanroute durch Maßnahmen der Grenzsicherung immer schwieriger zu passieren wurde, hat sich Belgrad zu einem der Hauptaufenthaltsorte flüchtender Menschen in Europa entwickelt.

Idomeni

In Idomeni, einem illegalisierten Flüchtlingscamp in Griechenland an der Grenze zu Mazedonien, waren wir über einen längeren Zeitraum immer wieder im Einsatz.

Im Dezember 2015 bauten wir dort Notunterkünfte für über 200 Menschen, beheizten dort abgestellte Bahnwaggons, um im Winter für einige Menschen warme Schlafplätze zu schaffen.

Zwischen Februar und Mai 2016 waren wir fast durchgehend mit wechselnden Teams vor Ort. In dieser Zeit haben wir ein Kinder- und Kulturzentrum in einem mitgebrachten Zelt etabliert, um Kindern und auch Erwachsenen Beschäftigung, Würde und Abwechslung vom Alltag in einem Flüchtlingscamp zu ermöglichen. In dieser Zeit sind auch die Kindermalereien entstanden, die in einer unserer Ausstellungen zu sehen sind. Außerdem haben wir in dieser Zeit viel in den unabhängigen Hilfsstrukturen mitgeholfen, z.B. für zwischenzeitlich 11.000 Menschen gekocht, spontan auch mal zwei Fußballtore zusammengenagelt und ein Distribution-Center für Hilfsgüter gebaut. Die Spendengelder, die wir mitbrachten, flossen in diese Projekte oder z.B. auch in die Anschaffung großer Mengen Grippemedikamente, die wir den medizinischen Freiwilligen aushändigten, damit sie die vielen kranken Menschen wenigstens etwas behandeln konnten.

Nordfrankreich

Nah am Ärmelkanal, am nördlichsten Zipfel Frankreichs liegen die beiden Städte Calais und Grande-Synthe/Dunkerque. Dort befanden sich zahlreiche Flüchtende, die versuchten, über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu kommen. Im Dezember 2015 und Januar 2016 waren wir mit etwa 20 Helfenden dort, um in einem großen Lagerhaus beim Sortieren von Kleidung und beim Bau von Regalen und Unterständen zu helfen. Auch wurde eine Moschee für das Camp gebaut und der Versuch gestartet, mit Hilfe einer Straße mehr Infrastruktur in das matschige Camp zu bringen. Danach waren immer wieder Gruppen von Freiwilligen in Calais und Dunkerque, um Sachspenden dorthin zu transportieren und dort arbeitende Gruppen, wie z.B. die Kesha Niya Kitchen zu unterstützen.