Seit Mitte April 2017 sind wir, das Team von Rigardu, in Šid an der serbisch-kroatischen Grenze und packen hier tatkräftig an. Grund für unseren Umzug nach Šid war die ansteigende Not von Flüchtenden, welche in den Feldern ohne ein Dach über dem Kopf schlafen und kaum staatliche Unterstützung erhalten. Dazu kam damals die Räumung des Lagers in Subotica durch die Polizei, wodurch unser dortiges Engagement ein Ende fand.

Um die 100 bis 200 Flüchtenden, die in Šid außerhalb der offiziellen Lager leben, versammeln sich nach wie vor jeden Tag, um die Unterstützung von freiwilligen Helfenden in Anspruch zu nehmen. Wie die meisten bereits wissen, ist Rigardus Hauptprojekt hier in Šid „Hygienic Care“, was so viel bedeutet wie: Alles rund um die hygienische Versorgung – Wir bieten den Flüchtenden mit unserem mobilen Duschsystem heiße Duschen inklusive Hygieneartikeln zur Pflege und frisch gewaschene, desinfizierte Kleidung zum Wechseln an. Außerdem verteilen wir Trinkwasser und bauen unsere Ladestation für 50 Handys zur Morgen- und zur Abendzeit auf. Die Dusch-, Trinkwasser- und Ladestationsangebote finden immer noch jeden zweiten Tag statt. Nach einigen Monaten der Umsetzung unseres Projektes in Šid, vor allem in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in Serbien, können wir sagen, dass wir mit Erfolg zur Verbesserung der Bedingungen beitragen.

Vor einiger Zeit erreichte uns eine Anfrage von Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) und BelgrAid, welche ebenfalls hier vor Ort tätig sind, mit der Bitte uns die zunehmend schlechter werdenden Umstände in Subotica (an der ungarische Grenze) und Sombor (kroatische und ungarische Grenze) anzuschauen und anschließend zu überlegen, ob wir genug Kapazitäten haben, um eventuelle Nöte dort abzudecken. Ein zusammengestelltes Team verbrachte anschließend ein paar Tage in den beiden Städten, um sich einen Eindruck über die Lage vor Ort zu verschaffen und herauszufinden, an was es den Flüchtenden dort fehlt. Die Eindrücke in Subotica und Sombor haben uns förmlich aus den Socken gerissen, denn alleine in Subotica und Umgebung gibt es bis zu 300 Flüchtende, die ohne jegliche Versorgung im Sinne von „Hygienic Care“ leben und in Sombor bis zu 150 Flüchtende, denen es quasi an allem fehlt. Im Verhältnis zu der aktuellen Lage in Šid sind das dreimal so viele Flüchtende mit insgesamt weniger Versorgung und Unterstützung.

Da sich die Lage in Šid aufgrund des quasi unüberquerbaren Grenzübergangs nach Kroatien für viele Flüchtende verschlechtert hat und einige ihr Glück (wieder) am Grenzübergang nach Ungarn versuchen wollen, zieht es wieder mehr Flüchtende nach Subotica und auch Sombor. Auf den ersten Blick und durch intensive Gespräche mit den Flüchtenden kam heraus, dass viele seit Monaten keinen Zugang zu einer heißen Dusche, geschweige denn zu Hygieneartikeln, frischer Kleidung und zu einer ausreichenden Menge Trinkwasser hatten. Und ihnen damit genau das fehlt, was wir in Šid gerade täglich anbieten.

Zurück in Šid haben wir uns in unserem Koordinationsteam zusammengesetzt und Möglichkeiten besprochen, wie wir eine Unterstützung vor Ort in den beiden Städten bestmöglich arrangieren könnte. Es gab außerdem viele Telefonkonferenzen mit dem Rigardu-Team in Deutschland und auch den anderen Organisationen hier vor Ort, um gemeinsam eine Lösung für die extremen Verhältnisse in den beiden Städten zu finden. Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, wieder nach Subotica umzuziehen und unser Projekt mit einem neuen Duschsystem dort fortzusetzen. Der Umzug wird voraussichtlich Anfang nächster Woche stattfinden.

Da wir viel Arbeit und Zeit in unser Projekt in Šid gesteckt haben und wir die Stadt mit einem guten Gefühl hinter uns lassen wollten – also mit der Gewissheit, dass die Flüchtenden nach unserem Umzug weiterhin rund um die „Hygienic Care“ versorgt werden – musste hierfür auch eine Lösung her. Rigardu hat mit der No Name Kitchen in Šid einen Partner gefunden, der unser Duschsystem und das gesamte Projekt so lange übernehmen und stützen wird, bis es keinen Bedarf mehr gibt.

Unsere Entscheidung für den Umzug nach Subotica haben wir bedacht gefällt, um dort und in Sombor unsere Unterstützung denen anzubieten, die aktuell nichts dergleichen zur Verfügung haben. Mit einem motivierten und neuen Team, einem neuem Duschsystem (Vielen Dank an alle Unterstützer*innen!), einer neuen Unterkunft und vielen neuen Ideen zur Verbesserung der Lage und Unterstützung der Flüchtenden, starten wir unser neues Projekt – Subotica und Sombor!

Verfasst von Nathalie

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