Das erste Jahr – Eine Bilanz

Am 24. Juli 2017 jährt sich die Gründungsversammlung von Rigardu zum ersten Mal. Dieses Datum markiert zwar nicht den Beginn unseres Engagements, welches bereits im November 2015 begann, bietet jedoch einen guten Anlass für eine erste Bilanz unserer Vereinsaktivitäten.

Vor der Gründung des Vereins haben wir lange über die Vor- und Nachteile eines Vereins diskutiert. Die größten Bedenken waren, ob wir die Spontanität, Flexibilität und Unabhängigkeit unserer Arbeit beibehalten werden können. Denn mit der Vereinsgründung kamen einige bürokratischen Hürden auf uns zu. Wir mussten unsere Gemeinnützigkeit anerkennen lassen, ein Vereinskonto eröffnen, uns über Rechte und Pflichten als Verein informieren und Buch über die Ausgaben während unseren Hilfsprojekten führen. Dies alles führt zu mehr Arbeit und dennoch gibt es einige Punkte, die uns in dem Gefühl bestärken, mit der Vereinsgründung den richtigen Schritt gegangen zu sein. Von ursprünglich 12 Gründungsmitgliedern sind wir mittlerweile auf 45 Mitglieder angewachsen. Davon sind 21 aktive Mitglieder, die den Verein und die Hilfsprojekte mitgestalten und 24 Fördermitglieder, die mit ihrem selbst festgelegten Mitgliedsbeitrag eine wichtige finanzielle Unterstützung darstellen. Insgesamt sind etwa 150 Menschen in unseren Projekten aktiv gewesen.

Auch die Reichweite unserer Berichterstattung auf unserem Blog und der Facebook-Seite, die über 500 Gefällt-Mir-Angaben hat, ist enorm gewachsen. Ganz nach dem Motto unseres Vereinsnamens („Rigardu“ bedeutet in der Plansprache Esperanto “Hinschauen“) erreichen wir so, dass mehr Menschen wirklich „hinschauen“ und Einblicke in die Situation schutzsuchender Menschen in Europa erhalten. Mittlerweile ist Rigardu e.V. in Serbien bei vielen Hilfsorganisationen als verlässlicher Partner bekannt und auch heute schaffen wir es noch ohne größere bürokratische Hindernisse Menschen auf der Flucht Hilfe zukommen zu lassen. Durch die Eröffnung eines Vereinskontos ist auch unser finanzieller Handlungsrahmen gewachsen, sodass wir unsere Arbeit in Serbien seit Februar durchgängig weiterführen konnten. Auch ermöglicht durch viele Freiwillige, die für mehrere Monate am Stück unsere Projekte vor Ort mitgestaltet haben.

Einer unserer Leitsätze, die wir uns bei unserer Gründung gegeben haben, ist eine transparente Berichterstattung unseren Spender*innen gegenüber. Zu diesem Zweck veröffentlichen wir hier eine Übersicht über unsere Ein- und Ausgaben im vergangenen Jahr.

Finanzbericht Rigardu e.V. (zum 30.06.2017)

Seit der Eröffnung unseres Vereinskontos hatten wir Einnahmen in Höhe von 22.884,42€ und Ausgaben von 18.415,29€ zu verzeichnen.

Woher kommt das Geld?

Spendeneinnahmen gesamt: 19.080,43 €

Die Spendeneinnahmen setzen sich aus projektbezogenen Spenden (Vereinsauto:  7.111,43 €, Spenden für Projekt Agriogata: 2.020,00 €) und ungebundenen Spenden (9.949,00 €) zusammen.

Eigenbeteiligung von Freiwilligen: 1.959,00 €

Alle Freiwilligen zahlen für die An- und Abreise zu den Projekten eine Eigenbeteiligung sowie die Übernachtungskosten vor Ort. Dafür bekommen sie die Reisekosten erstattet. So können wir gewährleisten, dass die finanzielle Situation der Mitfahrenden deren Engagement nicht beeinflusst.

Mitgliedsbeiträge: 1.844,99 €

Jedes Mitglied, ob aktiv oder fördernd kann den Mitgliedsbeitrag selbst festlegen.

Werde Fördermitglied! Der Mindestbeitrag für eine Fördermitgliedschaft beträgt 12 Euro im Jahr (freiwillig auch gerne mehr). Dabei geht es uns nicht nur um das Geld, sondern auch darum, dass eine größere Mitgliederzahl die Außenwirkung unseres Vereins verbessert. Dies ist zum Beispiel bei Stiftungsanträgen wichtig.

Wohin geht das Geld?

Der größte Teil mit 11.769,20 € unserer Ausgaben floss direkt in die Hilfsprojekte vor Ort. Dazu zählen u.a. folgende Projekte:

  • Daily Center in Belgrad: Gemeinsam mit einer serbischen NGO haben wir in Belgrad ein kulturelles Zentrum eröffnet, welches mit unserer finanziellen Unterstützung 8 Monate lang Raum zum Duschen, Spielen, Englischlernen und Ausruhen für flüchtende Menschen gab.
  • Anfang des Jahres ist ein Vereinsmitglied nach Thessaloniki (Griechenland) gefahren und hat dort in dem Projekt Agriogata mitgearbeitet. Dies konnten wir durch Geld, welches zweckgebunden für dieses Projekt gespendet wurde, unterstützen.
  • Subotica und Sid: Seit Februar dieses Jahres sind wir nahezu durchgehend in Serbien aktiv. Zunächst waren wir in Belgrad und Subotica aktiv, wo wir andere Organisationen bei Essens- oder Kleiderausgaben unterstützten und mit Dingen wie einer Handyladestation die Situation zu verbessern versuchten. Später etablierten wir ein mobiles Duschsystem in Subotica, welches seit der Räumung des Camps in Sid weitergeführt wird.
  • Ein Autokauf und seine Tücken: Nachdem wir für die Umsetzung des Duschprojektes anfangs noch ein Auto einer befreundeten Organisation (SoS – Signal of Solidarity) nutzten, haben uns vor einigen Monaten dazu entschlossen, ein eigenes Fahrzeug für unsere Projekte anzuschaffen..Durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne konnten wir einen technisch guten Mercedes-Sprinter kaufen, welcher mittlerweile täglich im Einsatz ist. Die überschüssigen zweckgebunden Spendeneinnahmen bilden eine Vorlage für zukünftige Reparatur- oder Versicherungskosten. Und doch war der Autokauf mit vielen unvorhergesehenen Problemen eine Aktion, die uns lange beschäftigt hat. Aber lest selbst.
  • Nordfrankreich: Zwei Spendentransporte nach Nordfrankreich im Januar und Mai 2017 konnten wir durchführen, beziehungsweise finanziell unterstützen.

Die Kosten für die Vereinsverwaltung konnten wir sehr gering halten, sodass wir das meiste Geld direkt in die Arbeit für und mit Geflüchteten stecken konnten. Hierzu zählen unter Anderem Ausgaben für den Versand von Vereinspost,  Druckkosten für Flyer und Kontoführungskosten.

Neben den Hauptprojekten tut sich auch im Hintergrund viel: Einige von uns haben Workshops zu den Themen Flucht und Migration in Europa oder Erfahrungsberichte über unsere Hilfsprojekte z.B. an Schulen gehalten. Ende letzten Jahres haben wir einige Bilder, die im kulturellen Zentrum in Belgrad gemalt wurden, und Kindergemälde aus Idomeni in einer Ausstellung gezeigt. Diese Bilderausstellung war zum Beispiel vor Kurzem in Dortmund zu sehen oder letztes Jahr in Hildesheim. Ansonsten sind immer wieder Menschen damit beschäftigt, Spenden zu sammeln, Blogbeiträge zu verfassen, Flyer zu erstellen, für die langfristige Projektplanung zu sorgen, Menschenrechtsverstöße zu dokumentieren und an die Öffentlichkeit zu bringen und vieles mehr.

All das hätten wir allerdings nicht ohne eure  Unterstützung geschafft! Deshalb möchten wir DANKE sagen, danke für die finanzielle Unterstützung und jede andere Art der tatkräftigen Unterstützung, die wir im letzten Jahr von so vielen Menschen erfahren haben. Auch in Zukunft sind wir auf eure Hilfe angewiesen, um unsere Arbeit fortzuführen und humanitäre Hilfe für Menschen auf der Flucht leisten zu können. Darum möchten wir Dich bitten, uns weiterhin zu unterstützen:

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→ Unterstütze uns mit einer einmaligen Spende!

Bring dich ein oder hilf uns mit Deinen Kontakten zu Zeitungen, Radiosendern oder dem Fernsehen, großen Firmen mit viel Geld, Autohäusern die uns ein Auto leihen können, Gruppen die sich für unsere Vorträge und Workshops interessieren, und so weiter.

Bei Fragen geben wir dir gerne weitere Auskunft! Schreib uns!

 

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