Abschied von Idomeni

In den letzten Tagen in Idomeni pendelte sich immer mehr ein Alltag in unser kleines Kulturzentrum ein. Zusammen mit einem Italiener und einer Niederländerin schliefen wir weiterhin jede Nacht hinten im Infozelt und mit ein paar Flüchtenden zusammen bildeten wir ein Team, dass sich um die Zelte kümmerte. Die 250 Italiener, die für 2 Tage da waren, bauten ein Pavillon auf, in dem Tische mit aufgeschraubten Steckerleisten standen. Die Idee war, daraus ein Zelt zu machen in dem die Menschen die Skype Calls für die Registrierung machen können. Allerdings gibt es dafür noch keine PCs oder ähnliches und daher wurde es einfach eine Handyladestation. Von den Voluntiere Spenden wurde eine kleine Musikanlage gekauft und während die Menschen auf ihren vollen Akku warteten, konnten sie zu der Musik aus ihren Heimatländern tanzen. Die Italiener unterstützen das Info- und Kinderzelt außerdem mit einem schicken neuen Generator und diversem Werkzeug. So wurde von uns jeden Morgen nach dem Aufstehen und jeden Abend kurz vor dem Schlafen gehen der Generator ein- und ausgemacht und die Tische vom Zelt rein- und raus getragen.

Im Kinderzelt war immer mehr los und neben der normalen Kinderbetreuung etablierte sich regelmäßiger Unterricht mit verschiedenen Fächern, der von Freiwilligen und Flüchtenden gehalten wurde. Wir waren oft unterwegs in Polykastro um dort mehr Holz zu kaufen beim Baummarkt, der uns schon sehr gut kannte, damit wir die Tische und Bänke reparieren konnten, die durch viele Kinder immer mal wieder Schaden nahmen. Außerdem wurden von den Spendengeldern diverse Spiele gekauft, die mit den Kindern zusammen gespielt wurden und viele Kartenspiele, über die sich auch die Erwachsenen sehr gefreut haben.

Wir haben immer mal wieder im Infozelt mitgeholfen und dadurch viel von dort mitbekommen. Viele Mütter mit ihren Kindern haben den Vater schon in Deutschland und würden für die Familienzusammenführung in Frage kommen. Außerdem gibt es nun vor allem für Syrer die Möglichkeit, sich für ein Relocation programm zu bewerben, bei dem sie in ein anderes EU Land gebracht werden, aber nicht bestimmen können, in welches. Für beide Programme muss man sich erst über einen Skype Video Anruf bewerben. Dafür gibt es jede Woche eine Stunde in jeder Sprache, in der man dort anrufen kann. Nachdem es tatsächlich geschafft wurde, mitten im Nichts eine gute Internetverbindung aufzubauen, saß man mit den Leuten im Zelt und drückte eine Stunde lang auf den Telefonhörer. Niemand kam durch. Bei 4 Mitarbeitenden, die diese Skype Gespräche durchführen und um die 50.000 Flüchtenden, die versuchen dort anzurufen, wundert das einen nicht. ADM drehte darüber einen kurzen Film um auf die Situation aufmerksam zu machen. (https://www.youtube.com/watch?v=jmLzPw-f7FI)

Als wir die Zelte aufbauten, gingen wir davon aus, dass die Felder von MSF (Ärzte ohne Grenzen) gepachtet sind, sowie die anderen Felder. Als dann allerdings ein wütender griechischer Bauer mit der Polizei vor unserem Zelt stand, haben wir schnell heraus gefunden, dass dem nicht so ist. Einer von uns sprach griechisch, was die Kommunikation verbesserte. Wir konnten uns darauf einigen, innerhalb einer Woche umzuziehen. Nach einigen Tagen kam der Bauer noch mal und zog mit seinem Traktor die erste Linie ins Feld, um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen. So stand also am nächsten Freitag der große Umzug bevor. Das Infozelt wurde komplett leer geräumt, wobei viele Sachen wieder aufgetaucht sind. Zum Beispiel unser VW Bus Schlüssel, der unter den Paletten lag. Mit vielen Freiwilligen und Flüchtenden zusammen wurde der Boden, der aus Paletten und OSB-Platten besteht, auf der einen Seite aufgeschraubt und 300 m weiter wieder zusammen geschraubt und das große Zelt wurde abgebaut und wieder aufgebaut. Dadurch konnten wir unseren neuen Platz etwas besser strukturieren und das Ganze mehr als einen Gemeinschaftsplatz gestalten.

Am Sonntag früh war es dann soweit: die Voluntiere mussten nach einem langen Aufenthalt in Idomeni wieder zurück nach Deutschland, wo die Uni wartet. Es gab am Ende noch viele Diskussionen bezüglich der Jurte und des Materials, da es gerade nur das Zelt gibt, in dem die Kinderbetreuung und der Unterricht stattfinden kann. Wir konnten regeln, dass die Jurte nun zumindest noch bis zum 07.04. bleibt und in der Zeit ein anderes Zelt organisiert werden kann.

Wir sind sehr froh, dass wir trotz den anfänglichen Bedenken und Schwierigkeiten unser Projekt umsetzen konnten und es bei den Menschen vor Ort so gut aufgenommen wurde. Neben „Save the Children“, die einen kleinen Container haben, waren wir am Anfang die einzige andere Kinderbetreuung.
Wir haben das Gefühl durch unser Projekt etwas angestoßen zu haben. Viele andere Freiwilligengruppen bauen nun weitere kulturelle Angebote auf und führen die Kinderbetreuung und die Schule weiter. Vielen Dank an alle, die uns dabei unterstützt haben!

Verfasst von Anika

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