Unseren ersten Tag in Calais haben wir genutzt, um uns ein Bild der Lage zu machen und haben dabei eine erstaunlich gute Hilfsstruktur vorgefunden. Am Rande von Calais, 5 Minuten vom „Jungle“ entfernt (wie das Camp hier genannt wird)  gibt es zwei riesige Lagerhallen, in denen Klamotten, Schlafsäcke, Zelte und Hygieneartikel gelagert und sortiert werden.

Dort gibt es auch eine große Küche, in der für alle Freiwilligen gekocht und viel Essen gelagert wird. Nebenan steht eine Halle mit Werkstatt. Volunteers fertigen hier am Fließband Bausätze für kleine, stabile und isolierte Hütten, die dann ins Camp gefahren werden, um dort mit den Flüchtenden aufgebaut zu werden.

Schätzungsweise sind beim Warehouse 100 Freiwillige, die größtenteils in Wohnwagen und Kleinbussen draußen schlafen. Fast alle kommen aus England. Unter den Freiwilligen gibt es für jeden Bereich schon Coordinators und enorm viele Sachspenden (z.B. viel Bauholz). Woher das Geld dafür kommt, wissen wir noch nicht. Auf den ersten Blick scheinen die Strukturen unter den Helfenden weniger chaotisch und anachisch zu sein als in Idomeni.

Heute morgen sind wir auch ins Camp gefahren, was uns an einen Slum erinnert hat. Im Bereich des Hafens und der Bahnschienen sind teilweise sogar doppelte Zäune aufgestellt. Im Vergleich zu den Camps entlang der Balkanroute merkt man, dass sich hier Menschen längerfristig einrichten. Es gibt in den Hütten dort viele kleine Geschäfte und Restaurants/Cafés, aber auch kulturelle Angebote wie Konzerte, Workshops, eine Bibliothek, Therapien etc. … Es gibt auch provisorische Kirchen und Moscheen.

Trotzdem fehlt es immer wieder an existentiellen Dingen. Sanitäre Anlagen stehen nicht flächendeckend zur Verfügung und sind häufig in desolatem Zustand. Auf den unbefestigten Wegen ist ein Vorankommen schwer. Und längst nicht alle Unterkünfte sind winterfest, viele Menschen schlafen in kleinen Zelten in schlechtem Zustand. Das Bauen von festen & isolierten Unterkünften hat also weiterhin Priorität.

Nachdem wir uns am Vormittag umgesehen haben, konnten wir uns am Nachmittag in der Werkstatt nützlich machen und haben eine Lagerstelle für vorbereitete Holzstangen gebaut. Auch die Reparaturen am mitgebrachten Generator waren erfolgreich und dieser läuft nun wieder. In den nächsten Tagen werden wir uns in der Werkstatt beim Bau von Unterkünften nützlich machen und nach und nach sehen, in welcher „Lücke“ wir uns außerdem einbringen können. Auch eruieren wir, wie wir die Spendengelder am sinnvollsten einsetzen können.

Verfasst von Lea


1 Kommentar

Bettina · 20. Dezember 2015 um 21:10

Ich wünsche euch viel Erfolg und viel Kraft bei eurer Arbeit. Liebe Grüße Bettina

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