Sachspendentransport nach Calais

Seit Rigardu im Dezember 2015 und Januar 2016 zum ersten Mal im französischen Calais war und im Lagerhaus ausgeholfen hatte, verfolgen wir die Situation dort.

Die Flüchtenden in Calais versuchen auf LKWs durch den Ärmelkanal nach Großbritannien zu kommen. Dorthin möchten die Menschen z.B. weil es weder eine Ausweis-, noch eine Mitführpflicht gibt[1], weil die Menschen dort Familienmitglieder haben oder aufgrund der leichteren Verständigung. Seit im Oktober 2016 der „Jungle“, eine riesige Zeltstadt mit mehr als 9.000 Flüchtenden[2], geräumt wurde, sind die Menschen nun weitestgehend aus dem Stadtbild verschwunden und leben nur noch versteckt in kleinen Waldstücken. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber Freiwillige schätzen 450-500 Menschen in Calais, 300 im benachbarten Dunkerque und 150 im Umland[3]. In Calais wird der Anteil der Minderjährigen auf 80% geschätzt[4].

Das Lagerhaus gibt es auch jetzt noch. Täglich arbeiten dort internationale Freiwillige in vier Organisationen mit. Refugee Community Kitchen (RCK) kocht täglich etwa 1.000 Mahlzeiten und verteilt sie in Calais und Dunkerque. Utopia 56, Help Refugees und L’Auberge des Migrants sammeln Sachspenden, sortieren sie, verteilen sie in Calais und Dunkerque und organisieren für überschüssige Sachspenden Hilfskonvois nach Serbien, Griechenland, Syrien und in den Libanon.

Am vergangenen Wochenende sind wir (Jakob und Lea) mit einem Transporter und Anhänger voller Sachspenden aus Lagerhäusern in Leipzig und Hürth nach Calais Calais gefahren. Danke an dieser Stelle für die vielen vorsortierten Spenden! Ein Freiwilliger, der uns beim Ausladen half, sagte, es sei die größte Lieferung seit langem gewesen. Ob das wirklich stimmt, wissen wir nicht, aber gefreut haben wir uns trotzdem. Den verbliebenen Nachmittag verbrachten wir damit, uns im Lagerhaus umzuschauen und beim Sortieren der Kleider und beim Packen von Lunchpaketen in der Küche zu helfen. Seit wir das letzte Mal in Calais waren hat sich Vieles verändert: Organisationsstrukturen sind effizienter gestaltet, die Werkstatt, in der wir vor eineinhalb Jahren viel Zeit verbracht hatten, gibt es nicht mehr und feste sanitäre Anlagen wurden eingerichtet. Besonders schön war es zu sehen, dass die Palettenregale, die wir damals gebaut haben, noch stehen und jetzt die „Tent World“ (ein Lager für Zelte) beheimaten. Trotz des (auch durch wenig kooperative Behörden bedingten) Stresses und Mangels an HelferInnen, war unserem Empfinden nach unter den Freiwilligen eine sehr hilfsbereite und angenehme Atmosphäre.

Am Abend sind wir am ehemaligen “Jungle” vorbeigefahren. Dass dort bis vor Kurzem noch ein großes Zeltdorf stand, sieht man der Fläche nun nicht mehr an. Unkraut hat die Fläche schnell überwuchert. Nur die hohen Zäune neben der Autobahn sind geblieben.

Weil wir das Auto aber nur geliehen hatten, mussten wir schon bald wieder nach Deutschland zurück fahren. Gerne hätten wir noch mehr Zeit in Calais verbracht, um ausführlicher zu verstehen, wo und wie die Flüchtenden dort leben und um die Arbeit im Lagerhaus weiter zu unterstützen.

Verfasst von Jakob und Lea

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Ausweispflicht#Gro.C3.9Fbritannien
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Dschungel_von_Calais
[3] http://www.calaidipedia.co.uk/camp-news
[4] http://www.aljazeera.com/indepth/features/2017/04/day-calais-refugees-hiding-forest-170410105635967.html?utm_content=bufferd21d6&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

 

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