Der Jungle erinnert uns eher an einen Slum mit seiner ganz eigenen Dynamik, die man als Außenstehendende kaum verstehen kann. Die Menschen bauen sich hier gerade eine Heimat auf. Mit der Zeit entwickelt sich ein nahezu autarkes System, das schon einer kleinen Stadt ähnelt. Die Bewohner*innen können ihre Nationalgerichte im Restaurant essen, dabei Musik aus der alten Heimat hören, sie können in verschiedenen Moscheen und Kirchen ihre Religion ausüben und sogar zum Frisör gehen.

In kleinen Geschäften kann man Essen und andere Kleinigkeiten besorgen. Viele Restaurants und Geschäfte haben einen eigenenen Generator; das Brummen gehört zur abendlichen Geräuschskulisse dazu. Es gibt eine eigene Bücherei, „Junglebooks“ und in verschiedenen Schulen kann man Englisch und Französisch lernen. Kulturell gibt es auch viele Angebote und Workshops in einem großen Zelt.

Das Camp wird hier nicht umsonst von Allen „Jungle“ genannt. Wenn sich etwa 6.000 Menschen (genaue Zahlen weiß keiner) auf einem Raum für mehrere Monate organisieren müssen und jeder vor allem an das Wohl seiner Angehörigen und sich selbst denkt, wird das ziemlich chaotisch. Erst nach und nach kamen die NGOs, die nun versuchen eine Infrastruktur aufzubauen und den Menschen eine bessere Unterkunft zu geben. Den Jungle gibt es eigentlich schon seit Jahren, doch erst seit März wurde er durch die Medien bekannt.

Die meisten Geflüchteten haben sich mittlerweile eine stabilere Unterkunft gezimmert oder eine von den kleinen Hütten bekommen, die hier in der Werkstatt gebaut werden, von einer französischen NGO finanziert werden und dann im Camp mit den zukünftigen Bewohnenden aufgebaut werden. Trotzdem sieht man viele, die noch in einem einfachen kleinen Campingzelten wohnen, die kaum vor Kälte und Sturm schützen. Die Afghanen sind hier sehr dominant und haben im „Zentrum“ viele kleine Restaurants und Geschäfte aufgebaut. Die Nationalitäten haben alle ihren eigenen Bereich und oft haben sie dort schon kleine Spielplätze für die Kinder aufgebaut, aus allem was sie so gefunden haben.

Ein großes Problem ist gerade, dass die Gebiete, die nicht an die Hauptstraße angebunden sind, keine sanitären Anlagen und Wasseranschluss bekommen können und auch keine Müllabfuhr kommen kann, da die großen LKWs nicht dorthin kommen. Es gibt nur zwei geschotterte Straßenzugänge zum Jungle. Da alles sehr zugebaut und uneben ist, ist es schwierig ein Staßennetz zu etablieren. Eine von den Straßen hört einfach 200m vor der Hauptstraße auf, weil man dort nicht mehr durchkam. Dadurch, dass es keine Straßen gibt, sind viele Teile sehr matschig und überschwemmt, sobald es eine längere Zeit regnet.

Hier gibt es einen aktuellen Film über die „community kitchen“ im Calais Jungle. Zwischendrin lässt sich gut erkennen, in welchem Zustand die Wege im Camp sind. Das wird dann in einer Woche hoffentlich anders aussehen!

Die Regierung wurde gerichtlich dazu verpflichtet, menschenwürdige Bedingungen zu schaffen. Die NGO „Acted“ wurde von der Regierung beauftragt Straßen und sanitäre Anlagen zu bauen. Allerdings wird viel zu wenig Geld zur Verfügung gestellt und sie dürfen keine stabilen, längerfristgen Anlagen installieren. Das heißt, es gibt hier und da mal ein paar Wasserhähne und überfüllte Dixis. Richtige Duschen und Waschmöglichkeiten gibt es kaum. Mehr kann „Acted“ nicht wirklich tun. Gerade gibt es ein umzäuntes Baugebiet, in dem große Container für insgesamt 1.500 Menschen aufgestellt werden, finanziert von „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF). Mitte Januar ist es fertig. Genaueres wissen wir nicht darüber. Im Gegensatz zu vielen Camps auf der Balkonroute ist Calais kein legales Camp und ist ein großer Streitpunkt zwischen England und Frankreich, daher trauen sich viele NGOs nicht, hier zu unterstützen. MSF ist gerade die einzige große Organisation, die hier viel Geld reinsteckt.

 Verfasst von Lea


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