Nach einem alarmierenden Anruf während des Reifenwechsels am frühen Morgen sprangen Fabio, Martin, Lea und Jakob ins Auto und fuhren in Richtung Jungle. Die telefonische Ankündigung, zwei der vier großen Schotterhügel seien abtransportiert worden und ein unbekannter Bagger stehe jetzt vor den zwei verbliebenen Haufen, stellte uns vor Ort vor viel Verständnislosigkeit.

Nach ca. einer Stunde kamen dann zwei LKWs, deren Fahrer uns erklärten, dass der Schotter nach Aufforderung der Präfektur (Leitung eines Departements) an einen Platz 50 Kilometer entfernt von Calais transportiert werde und erst im neuen Jahr von uns wieder benutzt werden könne. Erreichen konnten wir von den besagten Auftraggebern niemanden, weshalb wir jetzt noch auf Klärung warten und darüber nachdenken, den Schotter an die Organisation „Acted“ weiterzugeben, damit sie ihn nach unserer Abreise noch unter Anderem sinnvoll für die Ausbesserung der vorhandenen Straßen nutzen können.

Währenddessen haben sich Elena, Holger, Kristian, Tija, Kasimir, Simon und Tanja zusammengesetzt und, nach den Vorstellungen des „Community Leaders“ der kurdischen Flüchtenden, Pläne für eine kurdische Moschee gezeichnet und Paletten vorsortiert. Andere haben währenddessen vor Ort schon gemeinsam mit Kurden den Platz mit Sand aufgefüllt und begradigt. Nach dem Mittagessen ging es dann auch schon los mit dem Rahmenbau in der Werkstatt. Im Jungle wurde uns von einigen Flüchtenden dank der Mekka-App die richtige Ausrichtung der Moschee gezeigt. Zukünftig werden darin etwa 25 Personen auf knapp 50 qm. ihren neuen Gebets-Ort finden. Die Idee, eine Moschee zu bauen, kam uns im Gespräch mit kurdischen Flüchtenden, für die es im Jungle bisher noch kein Gebetshaus gab. Von außen betrachtet mag dieser Wunsch überflüssig oder willkürlich erscheinen, aber weil die Menschen hier für mehrere Monate und Jahre sind, ist es uns neben der Befriedigung der Grundbedürfnisse auch wichtig, den Menschen einen würdigen und selbstbestimmten Lebensraum zu schaffen. Der Hausbau läuft parallel dazu weiter und lässt sich durch uns nicht weiter beschleunigen.

Ruth und Jakob haben Simarco, der vor vielen Jahren aus Nigeria geflüchtet ist, bei der Ausbesserung der Schule geholfen und am Nachmitttag neue Aufgaben in einem weiter entfernten kleineren Camp gefunden, in das sie mit zwei Engländerinnen aus dem Warehouse und einigen Kleiderspenden im Gepäck gefahren sind. In diesem kleinen Camp leben derzeit verhältnismäßig viele Frauen und Kinder aus Eritrea, die viel Unterstützung gebrauchen können. Dort wurden sie hauptsächlich von den „Gynäkologen ohne Grenzen“ unterstützt, worüber wir in Zukunft auch noch  mehr berichten werden.

Nachdem sie am Vormittag den Bauplatz für die Moschee vorbereitet hatten fuhren Annika, Florian, Lolla, Paddy, Jakob und Lilofee nach Dunkerque, wo sich 30 Kilometer entfernt von Calais ein weiteres, kleineres Camp befindet. In diesem Camp gibt es deutlich weniger Organisationsstrukturen und nur eine handvoll Freiwillige, ohne die dort einiges zusammenbrechen würde. Am Rande des Camps gibt es strikte Polizeikontrollen, die Kleidung und Taschen der Flüchtenden beim Ein- und Ausgehen durchsuchen. Im Camp gibt es nur kleine Campingzelte und überhaupt nichts Beheizbares oder gar Hütten.

Verfasst von Lea


2 Kommentare

Bettina · 31. Dezember 2015 um 20:27

Ein Jahr geht zu Ende, es ist viel passiert. Katastrophen ereigneten sich auf der ganzen Welt – ohne dass ein Ende in Sicht zu sein scheint. Viele Menschen haben ihre Heimat verlassen und wissen nicht wie es weitergeht. Ihr macht durch euer Handeln den Menschen im Jungle Mut, nicht aufzugeben und bewältigt Aufgaben die euch sicherlich an eure eigenen Grenzen bringen. Ich finde es ganz großartig wie ihr damit umgeht, dass ihr euch nicht unterkriegen lasst und euch aktiv für ein Stück mehr Menschlichkeit einsetzt.
Danke für Euer Handeln – Euch und den Menschen im Jungle wünsche ich alles Gute für das Neue Jahr.

Susanne · 1. Januar 2016 um 00:05

Ihr tut das Richtige. Lasst euch nicht entmutigen. Klar, werdet ihr nicht. Kommt gut und gesund ins Neue Jahr!!!!

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