Nachdem gestern Rami und seine Nachbarn uns noch ihre weiteren Bauvorhaben für die Moschee mitgeteilt haben (Erker für Imam, überdachtes Schuhregal), haben wir in der Werkstatt bevor wir zum Dschungel fuhren, mit der großen Kreissäge noch ein paar Dachlatten auf die richtige Länge gesägt.

Trotz des schlechten Wetters (es hat den ganzen Tag so stark geregnet, dass die Matschlöcher in riesige Seen verwandelt wurden), konnten wir erfolgreich den letzten Feinschliff am Dach vornehmen und gemeinsam den Erker aufstellen. Vor allem wahrscheinlich, weil wir durchgehend gut mit gesüßter Milch und heißem Tee von Rami mitversorgt wurden.

Wir freuen uns jetzt sehr, dass wir durch den Bau der Moschee nicht nur einen großen, wetterfesten Gemeinderaum für die gesamte kurdische Siedlung schaffen konnten, sondern auch den Bewohner*innen ein Stück Normalität in ihr Leben bringen konnten.

Wie wichtig nicht nur die Nothilfe sondern auch die Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens in den eigentlich menschenunwürdigen Zuständen im Dschungel ist, haben wir vor Ort oft bemerkt.

Völlig unerwartet bin ich einmal von der Normalität überrumpelt worden, als zum Beispiel ein zehnjähriges Mädchen ihren Kindergeburtstag mit allen Freundinnen und Freunden aus der „Nachbarschaft“ gefeiert hat.

Für uns war der Moscheebau teilweise schwierig, weil für uns kaum vorstellbar ist, wie ein Haus zu einer „richtigen Moschee“ wird und welchen Stellenwert Religion für die Bewohner*innen der kurdischen Dschungelsiedlung hat. Aber uns wurde Einiges mit allen verfügbaren Sprachen, Händen und Füßen verständlich gemacht und es war uns sehr wichtig, dass der Bau von den Flüchtenden selbst initiiert wurde und wir die Baupläne gemeinsam erarbeitet, wieder über den Haufen geworfen und improvisiert haben. So haben wir ein gutes Gefühl dabei gehabt, die Leute einfach mit dem zu unterstützen, was sie sich unbedingt wünschen ohne ein großes Gefälle zwischen „hilfsbedürftigen Flüchtenden“ und „fähigen Freiwilligen“. Dies konnten wir leider sehr oft im Dschungel und im Lagerhaus beobachten, wo unendlich viele Spenden ankommen, die niemand wirklich gebrauchen oder sortieren kann. Zum Beispiel eigener Trödel aus dem Keller (kaputter Spielzeugplastikherd, Eierbecher, Holzdekofiguren) oder alte, unpraktische Klamotten, die man getrost fürs gute Gewissen spenden kann. Heute wurden wir auch von engagierten Helferinnen angesprochen, ob wir wüssten wer ihre Spenden am besten gebrauchen kann, wir haben sie allerdings nur an Rami verwiesen, der auch mit der Verteilung mehr überfordert als dankbar war.

Mit der nicht benötigten Plane von unserem Dach und dem Werkzeug konnten einige Leute ihre Wohnhütten ausbessern und da wir die ganzen Materialien von der Nicht-Regierungs-Orga „L’Auberge nutzen konnten und nur ein paar zusätzliche Baumaterialien dazu gekauft haben, war der Moscheebau ein tolles Projekt, bei dem wir mit wenig finanziellem Aufwand einen großen Effekt bei der sinnvollen, nachhaltigen Unterstützung der Flüchtenden erzielen konnten.

Dass unsere Art, das Projekt durchzuführen, auch von anderen Freiwilligen oft Zuspruch erhalten hat und wir von den kurdischen Flüchtenden als angenehme Gruppe wahrgenommen wurden, hat uns in unserer Aktion bestätigt.

So konnten wir uns dann heute von allen herzlich verabschieden, sodass wir guten Gewissens morgen noch einmal im Camp in Grande-Synthe anpacken können.

03.01.16, verfasst von Tanja


1 Kommentar

Elena · 4. Januar 2016 um 01:00

Wow, sie ist fertig und sieht wunderschön aus!
Ich muss sagen, als wir vorgestern wieder nach Hause gefahren sind und kurz vor unserer Abfahrt von einem unserer kurdischen Freunde gehört haben, dass eine Moschee aber doch einen Erker für den Imam braucht, dachte ich mir eher sowas wie „oh je, ob das noch klappt, und ist das wirklich sooo wichtig? Naja, ich fahr jetzt heim“.
Umso großartiger, dass es geklappt hat, sogar mit Fenster! Ich hätte die Moschee gerne in ihrem fertigen Zustand gesehen, ich freu mich auf Fotos vom Schuhregal 😉
Alles Liebe an euch
Elena

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