Shafiq Rafat

Dieser Beitrag ist von Shafiq, der schon seit einigen Monaten in Belgrad ist und unser Daily Center mit seiner Familie oft besucht. Er hat zum Beispiel das Schild über dem Haus gemalt, deshalb ist es auch hier wieder das Titelbild.

Wir haben ihn gebeten, eine Geschichte über sich zu erzählen. Unter dem englisch-sprachigen Originaltext von ihm findet sich eine deutsche Übersetzung.

Shafiq Rafat – Original

My name is Shafiq Rafat and I was born in Ghazni Province in 1989, shortly after the withdrawal of Soviet troops from Afghanistan. From an early age the Taliban had become a familiar presence to me. Due to my mother’s commitments striving for the education of women in Afghanistan, I and my family were closely monitored and threatened by the Taliban.

I managed to finish high school and went on to university to qualify as a civil engineer. Upon completing my studies I found myself working for an American construction firm.

Shortly after I met my wife Sara. However our marriage did not receive the blessing of her father, who would go on to send the Taliban after us. In fear of being executed by the Taliban we fled to Kabul, changing homes every couple of months in order to remain hidden from the Taliban.

In the midst of all this, my wife gave birth to our first son. When all looked like everything was going well, while at work one day I received a call from my wife telling me that Taliban had been looking for me.

Not taking any risk with the Taliban, with the help of my grandfather I arranged for my son and wife along with me to be smuggled out of Afghanistan that night. With many difficulties we passed through six countries, crossing the borders in the forest. After three months we finally reached Serbia.

Serbia is a settle place and I am very happy to be here with my family. Then I found the best Daily-Center to learn the language. This Daily-Center is open for families and teenagers from 11am till 6pm. Beside of language courses they are also providing food, clothes, shoes, paint, drawing, and games for kids and young people.

I am specially thanking Leo Vinci and Anita Nit. These two persons work hard and always greet people with a smile.

Shafiq Rafat – Übersetzung

Mein Name ist Shafiq Rafat und ich bin 1989 in der Provinz Ghazni geboren, kurz nach dem Abzug der sowjetischen Armee aus Afghanistan. Schon früh habe ich mich an die Anwesenheit der Taliban gewöhnt. Wegen des Engagements meiner Mutter für die Ausbildung von Frauen in Afghanistan wurden ich und meine Familie von den Taliban überwacht und bedroht.

Ich schaffte es, die High School zu beenden und ging auf die Universität um Bauingenieur zu werden. Nach dem Studium begann ich bei einem amerikanischen Bauunternehmen zu arbeiten.

Kurz darauf traf ich meine Frau Sara. Doch unsere Ehe bekam nicht den Segen ihres Vaters, der die Taliban zu uns schicken wollte. Aus Angst, von den Taliban hingerichtet zu werden, flohen wir nach Kabul und wechselten alle paar Monate die Wohnung, um uns zu verstecken.

Inmitten all dessen hat meine Frau unseren ersten Sohn geboren. Als es so aussah, als würde alles gut laufen, bekam ich eines Tages während der Arbeit einen Anruf von meiner Frau. Sie sagte mir, dass die Taliban nach mir gesucht hätten.

Um kein Risiko einzugehen, organisierte ich mit der Hilfe von meinem Großvater, noch in dieser Nacht mit meinem Sohn und meiner Frau aus Afghanistan geschmuggelt zu werden. Mit vielen Schwierigkeiten durchquerten wir sechs Länder, wobei wir die Grenzen im Wald überquerten. Nach drei Monaten erreichten wir endlich Serbien.

Serbien ist der Platz, an dem wir bleiben wollen und ich bin sehr glücklich, hier mit meiner Familie zu sein. Ich habe das beste Daily-Center gefunden, um die Sprache zu lernen. Dieses Daily-Center hat für Familien und Jugendliche zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Neben Sprachkursen wird auch Essen, Kleidung, Schuhe, Malfarben, Zeichenutensilien und Spiele für Kinder und junge Menschen angeboten.

Ich danke besonders Leo Vinci und Anita Nit. Diese beiden Personen arbeiten hart und grüßen immer mit einem Lächeln.

Text von Shafiq, Übersetzung von Martin

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