Unser „Informationsprojekt“ in Serbien

Die Bedeutung von Informationen für Helfende

Bevor wir an Orte wie Idomeni, Calais oder Belgrad fahren, versuchen wir uns ein Bild davon zu machen, welche Art von Unterstützung gebraucht wird: Unterkünfte? Informationen? Hygieneeinrichtungen? Essen? Sachspenden? Gibt es Organisationen, die wir unterstützen können, oder müssen Strukturen erst geschaffen werden?

Wir versuchen dann abzuwägen, ob unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten zu den entsprechenden Herausforderungen passen – oder ob wir uns in bereits bestehende Projekte einbringen. In Calais haben wir weitestgehend in den vorhandenen Freiwilligenstrukturen mitarbeiten können, bei unserem ersten Besuch in Idomeni hingegen gehörten wir mit zu den ersten Helfenden vor Ort. Auch in Belgrad schien es bei unserem ersten Besuch im August 2016 das Sinnvollste zu sein, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen.

Bei diesen Entscheidungen sind wir auf Informationen über die Situation vor Ort und über die Arbeit anderer Organisationen angewiesen. Häufig bereitet uns das bereits vor der Abfahrt große Schwierigkeiten.

Es geht nicht nur uns so: An Orte, von denen es wenig Informationen gibt, fahren weniger Helfende. Ein gutes Beispiel dafür ist Subotica im Norden von Serbien. Dort leben 300-400 Flüchtende unter ähnlichen Bedingungen wie in Belgrad, aber in der Hauptstadt arbeiten vergleichsweise sehr viel mehr Helfende.

Woher kommen die Informationen?

Öffentliche Medien spielen bei unserer Informationsbeschaffung eine untergeordnete Rolle. Wesentlich wichtiger sind Schilderungen von anderen Freiwilligen. Diese Berichte werden hauptsächlich über soziale Netzwerke, insbesondere über Facebook, geteilt.

Hierbei gibt es aber ein Problem: Helfende, besonders diejenigen mit Überblick über die Situation, haben in der Regel wichtigere Aufgaben als auf Facebook zu posten.

Unser „Information guide for volunteers in Serbia“

Deshalb haben wir es uns zum Projekt gemacht, Informationen strukturiert und möglichst aktuell zusammenzutragen und für andere Freiwillige zugänglich zu machen. Diese „back end work“ ist zwar mühevoll, lässt sich aber zumindest teilweise von Deutschland aus erledigen und ist unzweifelhaft wichtig, um Freiwilligenarbeit effizienter zu machen. Wir haben uns dabei auf Serbien beschränkt, weil wir bereits wussten, dass wir dort wieder aktiv sein würden. In anderen Ländern entlang der sogenannten Balkanroute gibt es ähnliche Projekte von anderen Gruppen.

Nach unzähligen Mails, Telefonaten und stundenlanger Recherche ist daraus in den letzten acht Wochen dieses englischsprachige Online-Dokument entstanden:

www.goo.gl/qsy5Ks

Die vergangene Woche haben wir dazu genutzt, um vor Ort noch einige Details in Erfahrung zu bringen. Dazu haben wir uns mit VertreterInnen zahlreicher Organisationen getroffen, Gespräche mit Flüchtenden geführt und ein Camp im Norden des Landes besucht.

Das Dokument enthält Informationen über die generelle Situation von Flüchtenden in Serbien, wichtige landesspezifische Hinweise für die Freiwilligenarbeit, Informationen und Kontaktdaten zu den 20 verschiedenen Camps, sowie Regeln für den Import von Sachspenden und Telefonnummern für den Notfall. Viele unabhängige Freiwillige und Organisationen haben mit ihrem Wissen zu diesem Dokument beigetragen.

Diese Sammlung ist weiterhin nicht vollständig und wird es auch niemals sein. Aber sie spart anderen Helfenden viel Zeit bei der Einschätzung der Situation und der Suche nach AnsprechpartnerInnen.

In den nächsten Monaten möchten wir das Dokument um eine GPS-basierte Online-Karte mit den Camps, Transitzonen und Registrierungsstellen erweitern.

Seit einer Woche sind wir nun in Serbien und auch uns haben die Informationen geholfen, Projekte für die kommenden Monat zu entwickeln. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, über unsere genauen Pläne berichten wir bald!

Verfasst von Martin

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