Subotica ist die fünftgrößte Stadt Serbiens und liegt an der Grenze zu Ungarn. Eine hübsche Kleinstadt mit ländlichem Flair, durch dessen Straßen der Hauch der sozialistischen Vergangenheit weht.

Vor ziemlich genau einem Jahr war ich das erste Mal in Subotica und habe über die Situation vor Ort berichtet. Seitdem ist Rigardu ohne Unterbrechung in Serbien aktiv gewesen, davon die meiste Zeit in Subotica und ein paar Monate im Sommer in Šid. Jetzt, also ein Jahr später, bin ich wieder hier und lese meinen Bericht, weil mich interessiert, was ich vor einem Jahr schrieb. Tatsächlich bin ich erschrocken, dass ich heute fast das Gleiche mit leicht veränderten Zahlen schreiben könnte. Momentan sind etwa 150 – 200 Flüchtende in den verschiedenen Spots (so nennen wir ihre Aufenthaltsorte) in Subotica und Umgebung und es kümmern sich drei Organisationen um die Deckung der verschiedenen Grundbedürfnisse. Vor einem Jahr waren es ca. 300 – 400 Flüchtende und die aktiven Gruppen waren andere. Rigardu unterstützt hauptsächlich die Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht in offiziellen Camps schlafen, daran hat sich nichts geändert. Einzige größere Veränderung zum März 2017: Rigardu gibt nicht mehr hauptsächlich Wasser aus, sondern fokussiert sich auf die hygienische Versorgung und das Verteilen von Non-Food-Items (NFIs) wie Klamotten und Decken. Die Umstände, in denen sich die Menschen befinden, sind aber immer noch ähnlich. Sie leben in verlassenen Häusern und schlafen teilweise in Zelten, die kaum geschützt in Ruinen oder im Wald stehen.

Nach ein paar Tagen passierte es dann: „Hey, my friend. I know you from last year. The charging station!“ Ich erkannte einen Mann aus Pakistan, den ich tatsächlich vom letzten Jahr noch kenne. Meine letzte Erinnerung an ihn und seine Gruppe war der Abschied, bevor sie es nachts ein weiteres Mal über die Grenze probieren wollten. Damals stiegen mir bei diesem Abschied die Tränen in die Augen, weil ich daran denken musste, dass ihnen eine gefährliche Nacht bevorstand, und mir bewusst wurde, dass ich diese Menschen wahrscheinlich nie wiedersehen würde. Ein Jahr später nun treffe ich einen von ihnen wieder und ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, ihn wiederzusehen oder traurig bin, eben weil ich ihn wiedersehe und dies bedeutet, dass er immer noch in Serbien feststeckt.

Vielleicht sind es der späte Winter und das kalte Wetter, die mich bedrücken. Die Situation, in der die Flüchtenden sind, färbt meine Eindrücke vom Land und von der Umgebung. Es sind immer noch die gleichen grauen Weiten der Landschaft und die gleiche Hoffnungslosigkeit in den Gesichtern. Ein Jahr später hat sich nichts grundlegend verändert. Nur habe ich angesichts der unveränderten Situation das Gefühl, dass dies aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt wird

Verfasst von Mieke

 

 

Kategorien: Subotica

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